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Gedanken zum Artikel " Güterbahnhof wird abgerissen "
                                                         
Nachdenklich und wehmutsvoll stand ich vor dem Trümmerberg unserer ehemaligen Güterabfertigung des Bahnhofs Eisenhüttenstadt. Jahrzehnte verrichteten hier gestandene, ehrwürdige Eisenbahner pflichtbewusst ihren Dienst. Auch ich, und später auch unsere Lehrlinge, hatten hier ihre Laufbahnausbildung im Güterverkehr.
Nun ist unsere Güterabfertigung  ein Trümmerhaufen, da sie mit der Wende nicht mehr gebraucht wurde. Alle Beschäftigten verloren ihren Arbeitsplatz. Sie sollen aber betrieblich umgesetzt worden sein. Schuld daran ist nach wie vor die zu kritisierende Eisenbahn-Güterverkehrspolitik. Obwohl bekannt ist, dass der Gütertransport auf der Schiene gegenüber dem der Straße der wirtschaftlichste und umweltfreundlichste ist, befördert man Güter nach wie vor mit Kraftwagen anstatt mit der Eisenbahn.
Die ausfallenden örtlichen Gütertransportleistungen im Güterverkehr hatten aber auch Auswirkungen auf den örtlichen Eisenbahnbetrieb. Da weder ein örtlicher Güterversand noch Güterempfang mehr erfolgte, wurden auf dem Bahnhof weder Züge gebildet noch aufgelöst und so auch keine Rangierbewegungen mehr durchgeführt. Von den vielen Gleisen des Bahnhofs werden aber jetzt nur etwa 3 Gleise genutzt. Die übrigen wurden mit ihren Weichen stillgelegt. Der Bahnhof wurde sicherungstechnisch umgebaut und den derzeitigen betrieblichen Anforderungen angepasst. Die beiden Stellwerke wurden geschlossen, wobei das Befehlsstellwerk am Bahnübergang abgerissen wurde. Der Bahnhof mit seinen Weichen und Signalen wird jetzt von einem elektronischen Stellwerk vom Bahnhof Frankfurt(Oder) Oderbrücke ferngesteuert. Diese Betriebsweise ist richtig und bietet sich jetzt mit der Reduzierung der Betriebsleistungen auch an. Aber sie war nur durch die fehlenden örtlichen Leistungen des Güterverkehrs mit den damit verbundenen Rangierfahrten und durch den Bau einer zugbedienten Schranke möglich gewesen.  Zu früheren Zeiten bei der DR wäre das wegen des starken Güter- und Rangierverkehrs mit den vielen örtlichen Schrankenbedienungen hinderlich und nicht möglich gewesen. Mit dem Abriss des Stellwerks und der Güterabfertigung haben nun auch die letzten Eisenbahner den Bahnhof Eisenhüttenstadt verlassen; ein Zustand der früher unvorstellbar gewesen wäre, auf dem es auch keine Lehrlinge mehr gibt.
   
    Bernhard Lehmann
           Vogelsang

      Ingenieur für Eisenbahn-
 Betriebs- und Verkehrstechnik   

 

 

 

 

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