Die Baureihe 64

 

Eine der Einheitslokomotiven

der DRG

(Deutsche Reichsbahn Gesellschaft)

 

Die Einheitslok der Baureihe 64 gehörte bereits zum ersten von der DRG (Deutsche Reichsbahn Gesellschaft) entworfenen Typisierungsplan und war die Muttertype für alle Maschinen der 15 t Klasse.

Der Entwurf entstand im VB (Vereinheitlichungsbüro der DRG) in Zusammenarbeit mit dem Lokomotivdezernat des RZA (Reichsbahnzentralamt). 

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Mit einer Achsfahrmasse von nur 15 t war die Lokomotive für den Nebenbahndienst vorgesehen. Sie hatte dort vorzugsweise Personenzüge, im Flachland auch gemischte Züge zu fahren. Die Achsanordnung 1`C1`und die Ausführung als Tenderlokomotive entsprachen den vorgesehnen Verwendungszweck, d.h. dem Einsatz auf kurzen Nebenbahnstrecken ohne Wendemöglichkeit mit gleich guten Laufeigenschaften in beiden Fahrtrichtungen, bedingt durch den Einbau einer Kuhnschen Schleife in den äußeren Steuerungsteilen und somit eine gleich große Dampfverteilung für beide Fahrtrichtungen möglich wurde.

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BR 64 im Schnitt 

Die Achsanordnung 1`C1` bedeutet, mit C werden die 3 Kuppelachsen die fest im Rahmen gelagert sind benannt,

mit der 1`vor und hinter dem C werden die beweglichen Laufachsen benannt und sind in der Regel Bissel - Lenkgestelle.

Mit 1500 mm Kuppelraddurchmesser war noch eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h zu erreichen, womit auch der Übergang auf Hauptbahnen möglich war. 

Nach Meinung des Vereinheitlichungsbüros war für die auf Nebenbahnen zulässige Geschwindigkeit in der 15 t Klasse das Bissel - Gestell für ausreichend, obwohl auch andere Möglichkeiten bestanden, die Kurvenläufigkeit mit z.B.

 Kraus – Helmholtz –Lenkgestellen in höheren Geschwindigkeiten zu verbessern.

Bissel Gestelle sind kurvenbewegliche Laufwerke mit +/- 110 mm Seitenverschiebbarkeit und Rückstellvorrichtung.

 

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Bissel Gestell im Schnitt. 

Kraus – Helmholtz – Lenkgestelle haben an den Laufachsen eine Seitenverschiebbarkeit 

von +/- 105 mm, 1. und 3 Kuppelachse 10 mm. 

 

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Kraus – Helmholtz –Drehgestell im Schnitt. 

Die straffe Typisierung im ersten Typenplan brachte eine weitgehende Übereinstimmung der Baureihe 64 mit den Baureihen 24 und 86 (ebenfalls 15 t Achsfahrmasse). Viele Teile waren mit Maschinen der 20 t Klasse wie 01/02, 43/44 und der 17,5 t Klasse 80, 81, und 87 tauschbar.

Von den 5424 verschiedenen Teilen, aus denen eine Baureihe 64 bestand, waren

1451 = 26,75% Normteile nach DIN oder LON; 

2842 = 52,4% Typenteile 

1131 = 20,84% freie Konstruktionsteile. 

4293 Teile = 78,15% waren also vereinheitlichte Teile.

 

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Nach dem Leistungsprogramm (Merkbuch, Ausgabe 1938) zog die Maschine im Personenzugdienst (in Klammern die Werte für den D-Zug) in der Ebene mit 80 km/h 525 (605) t. Auf Steigungen von 3 0/00 wurden mit 70 km/h (410) t,

 auf 6 0/00 mit 50 km/h 425 (435) t bewältigt.

Die ersten Lokomotiven der Baureihe 64 wurden 1928 geliefert und die Beschaffung erstreckte sich ohne größere Unterbrechungen bis zum Jahre 1940. An der Lieferung waren bis auf Schwartzkopff und Hohenzollern alle deutschen Lokomotivfabriken beteiligt.

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Typisch für die damalige Zeit sind preußische Abteilwagen mit Packwagen zu sehen. 

Bauartänderungen 

Bei der Beschaffung über eine Zeitspanne von 13 Jahren blieben Bauartänderungen nicht aus. 

Die Betriebsnummern 64 001 bis 64 383 wurden ohne Laufradbremse mit einseitig wirkender Kuppelradbremse geliefert. 

64 384 bis 64 421 hatten Laufradbremse und Scherenbremse für die Kuppelräder. 

Ab 64 422 verzichtete man wieder auf die Scherenbremse, behielt aber die Laufradbremse bei. 

Erst die letzten 10 Lokomotiven (ab 64 511) erhielten vorn und hinten anstelle der Bisselachsen Kraus-Helmholtz- Lenkgestelle, mit denen wesentliche bessere Laufeigenschaften im oberen Geschwindigkeitsbereich zu erzielen waren. 

Ab 19929 ist die Doppelverbundluftpumpe gegen zweistufige Luftpumpen ersetzt worden. Die Dampfstrahlpumpe verlegte man auf die Heizerseite und die zentrale Achslagerschmierung wurde wieder ausgebaut.  

Stationierungen der BR 64 bei der DR

Nach dem Kriege besaß die DR etwa 115 Lokomotiven, erhielt von den ĊSD mindestens 7 Loks, von den PKP (64 369) und übernahm von der Brandenburgischen Städtebahn die 64 511. Genaue Zahlenwerte über den tatsächlichen Bestand und  den Anteil betriebsfähiger Maschinen lassen sich heute kaum noch ermitteln. 1970 waren noch etwa 100 Maschinen in Betrieb. 

Die Bw Berlin Schöneweide und Pankow, Jerichow, Halberstadt, Salzwedel und Wittstock wiesen mit 10 Maschinen und mehr die größten Bestände auf.

Ab 1970 setzte die Ausmusterung und 1974 waren alle Maschinen bis auf wenige Reserveloks ausgemustert. 

Die 64 007 des Bw Salzwedel wurde für das Verkehrsmuseum Dresden aufbewahrt.

  

Raum Frankfurt (Oder)

Ab 01.01.1956 kam das Bw Erkner, vor allem für den Vorortverkehr zwischen Erkner und Fürstenwalde zuständig, als Lokstation zum Bw Pbf.  Alle Beschäftigten und folgende Lokomotiven wurden übernommen 

64 076, 164, 179, 256, 261, 278, 280, 372, 411.

Es fehlen die Loks 64 322, 401 und die 64 166 die später dem Bw zugeteilt wurden. 

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Die Baureihe 64 kam auf den Strecken Fürstenwalde- Beeskow, Frankfurt-Grunow-Königs-Wusterhausen und als GmP (Güterzug mit Personenbeförderung) auf der Strecke Fürstenwalde-Dolgelin-Seelow zum Einsatz.

Hier wurde die BR 89 abgelöst.

Die Aufnahme zeigt die Lok 64 411 mit Lokheizer Gregor Kaiser auf den Bahnhof Falkenhagen Richtung Dolgelin. 

Die Lokstation Beeskow wurde im Dezember 1960, die Lokstation Erkner 1964 aufgelöst. Beide Außenstellen wurden noch einige Jahre als Bekohlungsstellen erhalten.

Einige konstruktive Merkmale

Kessel: genieteter Kessel der Einheitsbauart. Langkessel in zwei Schüssen mit 1500 mm Durchmesser im vorderen Schuss und 2700 mm Höhe der Kesselmitte über SO (Schienenoberkante).

Abstand zwischen den Rohrwänden 3800 mm.

Kupferne Feuerbüchse (später Stahl) und Stehbolzen, Rost aus 3 Feldern, mittleres Feld als Kipprost ausgebildet. Schlammsammler Bauart Strube am Kesselbauch. Dampfdom mit Nassdampfventilregler Bauart Schmidt&Wagner auf den zweiten Kesselschuss. Zwei Sicherheitsventile Bauart Ackermann an der Rückseite des Dampfdomes.

Als Speiseeinrichtung 1 Kolbenverbundpumpe Bauart Nielebock-Knorr (250l/min), 1 saugende Dampfstrahlpumpe

Kesselüberdruck 14 bar, Wasservorrat 9m3 , Kohle 3 t.

 

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prinzipieller Aufbau des Kessels mit der Feuerbüchse

Laufwerk: Vierpunktabstützung. Vordere und hintere Laufachse als Bissel-Gestell ausgeführt. Kuppelachsen fest im Rahmen gelagert, Treibachse mit 15 mm Spurkranzschwächung. 

Triebwerk. Zweizylinder- Heißdampftriebwerk mit außenliegenden, waagerecht angeordneten Zylindern. Antrieb der zweiten Kuppelachse.

Steuerung: Außenliegende Heusinger Steuerung für Inneneinströmung, gleiche Dampfverteilung für beide Fahrtrichtungen durch Kuhnsche Schleife.

Bremse. Selbsttätig wirkende Einkammer-Druckluftbremse Bauart Knorr und Wurfhebelbremse.

 

Baureihe 64     nachgewiesene Verbleibe

Betriebs-
nr.

EDV-
Nr.

Baujahr

Hersteller
Fabriknummer

Eigentümer

Betreiber
Strecke

Standort

Bemerkungen

betriebs-
fähig

64 006

064 006-0

1928

Borsig
11962

DGEG

 

EM Neustadt/
Weinstraße

Ex Denkmallok aus Elmstein

Nein

64 007

64 1007-0

1928

Borsig
11963

DB AG

Mecklenburgische Eisenbahnfreunde Schwerin e.V.

BW Schwerin

Genietete Wasserkästen 088 645-7

Nein

64 019

064 019-3

1928

Henschel
20731

Modell- und Eisenbahnclub Selb-Rehau e.V.

 

Bf Selb

 

Nein

64 094

064 094-6

1928

Humboldt
1821

GES

 

GWA Kornwestheim

Ex Denkmallok Tamm

Nein

64 289

064 289-2

1934

Krupp
1298

EfZ

SEH

SEH Heilbronn

Ex EK, Leihgabe

Nein

64 295

064 295-9

1934

ME
4249

DDM

 

DDM Neuenmarkt

 

Nein

64 317

64 1317-3

1934

Krupp
1320

 

 

Bf Frankfurt (Oder)

 

Denkmal

64 344

064 344-5

1935

Krauss-Maffei
15501

VM N

 

BW Passau

Ex Denkmal Bf. Waldkirchen (Schieferweg)

Aufarbeitung

64 355

064 355-1

1934

Krauss-Maffei
15504

DB AG

 

Bf Rötz-Hillstett

Ex Denkmal Bw Weiden

Denkmal

64 393

064 393-2

1936

ME
4306

Stadt Konz

 

Konz

Ohne Wetterschutz, bewegliche Teile abmontiert

Denkmal

64 419

064 419-5

1935

ME
4312

DBK HB

 

BW Crailsheim

 

Ja

64 446

064 446-8

1938

Krauss-Maffei
15625

DB AG

 

EM Augsburg

 

Nein

64 491

064 491-4

1940

O&K
13298

DFS

 

Bf Ebermannstadt

Neubaukessel, die DB Lok fuhr um 1994 mit einer "falschen" DR Nummer 64 1491-6

Ja

64 520

064 520-0

1940

Jung
9270

BEM

 

BEM Nördlingen

Ex Denkmallok Engen