Traumberuf Lokführer

 

 

 

Die Wahrheit

 

Es gibt nicht hunderte sondern tausende Berufe die von sich behaupten Traumberufe zu sein. Als Kind und Jugendlicher war man von diesen oder jenem Beruf so begeistert, dass man Polizist, Feuerwehrmann, Arzt, Straßenbahnfahrer, Pilot oder eben Lokführer werden wollte.

Alle Berufe haben sich bedingt durch den technischen Fortschritt weiter entwickelt und stellen heute große Anforderungen an den Menschen.

Für die Konstruktion einer Eisenbahn waren viele frühere Basis-Erfindungen die Voraussetzung, so die Erfindung des Rades, die Schöpfung einer Fahr- und Leitbahn in Form von Schienen, die Herstellung von Eisen und Stahl und die Erfindung der Dampfmaschine. 

 

In England gab es eine ausgeprägte Stahl und Eisenherstellung, ferner bestand ein ständig zunehmender Transportbedarf in den Erz- und Kohleminen, der bereits zahlreiche Schienenwege entstehen ließ. Hier wurde auch die Dampfmaschine erfunden und entscheidend verbessert.

 

Dies führte dazu, das England in der Zeit der industriellen Revolution auch zur Geburtsstätte der maschinell betriebenen Schienen- bzw. „Eisenbahn“ wurde. Die Eisenbahn ist damit sowohl Produkt, als auch Bestandteil der industriellen Revolution.

 

Als am 07.12.1835 der Ingenieur und Lokführer William Wilson aus England mit der Lokomotive „Adler“ auf der Strecke von Nürnberg nach Fürth den Dampfbetrieb eröffnete, ist die Nutzung des neuen Antriebes rasant angestiegen.

 

 

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William Wilson, erster Lokführer 

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     Der „Adler“ um 1835

 

Im Laufe der Entwicklung der Eisenbahnstrecken und der Lokomotiven, wird ab 01.10.1840 als erster deutscher Lokführer Christian Johann Heinrich Schmidt auf der sächsischen „Leipzig - Dresdner-Eisenbahn - Companie“ geführt. 

 

Die Tätigkeiten auf den damaligen „Dampfrössern“ sind noch als leicht einzuschätzen, weil die Maschinen noch nicht die Größe hatten die es viel später gab, um größere Entfernungen mit größeren Lasten und höheren Geschwindigkeiten bewältigen zu können. Dennoch ist die Arbeit auf einer Dampflok für Heizer und Lokführer gleichermaßen schwer: Der „Eine“ muss den vollen körperlichen Einsatz bringen, der „Andere“ muss die Gesamtheit der Dampftechnik, die Betriebs- und Bremseinrichtungen beherrschen und geistig immer in der Lage sein, jegliche betriebliche und technische Situation einschätzen zum können.

 

Bevor man aber Lokführer werden kann, müssen bestimmte Kriterien erworben werden, d.h. ein Lokführer muss einen Metallberuf erlernt haben, um dann über die Laufbahn des Lokheizers selbst Lokführer werden zu können.

 

 

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Die Lehrlingsausbildung  umfasst viele Tätigkeiten und Aufgaben.

 

 

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Der ausgelernte Lehrling ist nun Geselle und muss imstande sein, selbstständig Reparaturen an einer Dampflok vornehmen zu können. Hier wird ein Treibstangenlager nachgestellt.

    

An Beispielen sollen hier die allgemeinen Aufgaben eines Lokführers aufgezeigt werden.

 

Zur Vorbereitung eines Dienstes gehört der pünktliche Dienstbeginn, d.h. zu jeder Tages- oder Nachtzeit (je nach Dienstplan) muss sich das Lokpersonal schon zu Hause auf den bevorstehenden Dienst einstellen, d.h. man muss gut ausgeschlafen sein, seine Verpflegung für den Dienst zubereitet sein, um pünktlich im Bahnbetriebswerk, Bahnsteig oder anderem Einsatzort zu erscheinen.

  

Wird eine Dampflok im Bahnbetriebswerk übernommen wird geprüft ob alle Vorräte wie Kohle, Wasser, Schmierstoffe vorhanden sind, gegebenenfalls werden diese ergänzt.

 

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   Ohne Kohle  

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   und ohne Wasser,

    kann eine Dampflok nicht betrieben werden.  

 

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Der Heizer öffnet die Feuertür und 
wirft mit geschicktem Schwung eine 
gehäufte Schaufel Kohle nach der anderen
vom Tender in das lodernde Feuermeer.

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  Er regelt den Wasserstand und hat
unausgesetzt an den vielen Hebeln
und Handrädern zu tun.

         

Der Lokführer prüft die Bremseinrichtung der Lok, das Fahrwerk und nimmt Einblick

in die zu befahrene Strecke gültigen Unterlagen.

  

In der Bahnhofshalle ist es soweit das eine kleine Rangierlok den Wagenzug

auf das Bahnsteiggleis bereitstellt.

 

Groß und behäbig stehen nun die D-Zugwagen auf dem Gleis, jeder mit einem Schild versehen,

welches das Endziel seiner Fahrt und die wichtigsten Zwischenbahnhöfe mitteilt.

Noch fehlt aber dem Ganzen der Kopf, es ist die Lokomotive die jetzt langsam und behäbig mit dem

 Tender voran herbei rollt und mit dem Zug gekuppelt wird.

 

 

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Die Verbindungen der Druckluftbremse und der Dampfheizung werden hergestellt.

 

 

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Der Lokführer bekommt noch einen Befehl vom Aufsichtsbeamten,

 

 

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und kann jetzt den Regler öffnen um den Dampf zu den Zylindern strömen zu lassen.

 

Es zischt und raucht und sehr langsam setzt sich die große Dampflok mit ihren Zug in Bewegung.

 Es war immer sehr viel Erfahrung erforderlich die Maschine sanft aber doch kraftvoll

in Schwung zu setzen. Heftige Auspuffschläge prägen jetzt die Geräuschkulisse im Bahnhof

von der Ausfahrt eines D-Zuges und durch das Weichengewirr

 im Bahnhofsvorfeld nimmt er nun seinen vorbestimmten Weg zu seinem Ziel.

 

 

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Indes hat der Zug schon eine gesteigerte Geschwindigkeit erreicht.

Die Lokomotive singt ob des freigelassenen Zügels ihr Lied, die gewaltigen Räder prasseln

über die Schienen, wie spielend zieht sie die ungeheure Last der Wagen hinter sich her,

während über ihrem Haupt triumphierend die Rauchfahne hoch in die Lüfte flattert.

  

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Der Lokführer späht mit angespanntem Ernst durch das rechte Seitenfenster hinaus auf die Strecke.

  

Spätestens jetzt denkt man darüber nach, was es ausmacht Lokführer oder auch

noch Heizer zu sein, was ist es was uns fasziniert auf einer Lok arbeiten zu wollen?

Wie im Flug werden kleine Bahnhöfe passiert, Wälder und Wiesen wechseln sich ab

immer dem Ziel entgegen. Der Rausch der Geschwindigkeit, das Arbeiten der Lok,

ihre Geräusche zu hören und zu spüren, wenn sie nach Kohle und/oder Wasser verlangt,

der Geruch nach heißem Öl und Kohlenstaub sind untrennbare Bestandteile

dieses Berufes den tausende Lokführer und Heizer liebten und erlebten.

 

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Es gibt ein altes, heute nicht mehr bekanntes Lied über die „Jungs von der Eisenbahn“:

 

„Es rattern die Räder im klopfenden Takt und dröhnend erklingen die Schienen.

 Bei Sturm und Schnee, bei Tag und Nacht der Lokführer auf der Maschine hält Wacht,

dem Lande beim Aufbau zu dienen.

Vorwärts geht` s mit Volldampf in den Morgen, Signal ist Hoch, die Strecke frei,

bleibt auch die Sonne noch verborgen, die längste Nacht ist nun vorbei;

Und die Lok sie singt und der Heizer winkt und sein Mädel trägt ein himmelblaues Kleid.

Wir Jungen von der Eisenbahn machen Dampf und die Welt wird wieder weit“.

 

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Bei der Fahrt passiert der Zug auch Blockstellen, die dafür sorgen, dass der Abstand

 zwischen den Zügen gewahrt bleibt. Heute gibt es die nicht mehr,

es sind automatische Blockstellen geworden.

 

Der schwere Dienst auf einer Dampflok und die umfangreichen Vor- und nacharbeiten nach jeder Dienstschicht waren sehr anstrengend für das Lokpersonal.

 

 

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Doch gerade nach dem letzten Krieg, als Deutschland in Trümmern lag war die Eisenbahn mit ihren Dampfloks das einzige Beförderungsmittel das Personen und Güter durch das Land ziehen konnte.

 

Doch denken wir zurück an unseren Zug der noch auf der Strecke ist.

Die Maschine gibt willig ihre Kraft her, die in ihr steckt, der Tacho zeigt die geforderte Geschwindigkeit, so kann der Lokführer seine ganze Aufmerksamkeit der Beobachtung der Signale widmen. Weiter drehen die Räder der Lokomotive in tollem Wirbel um und um. Die Treibstangen sausen hin und her und das Spiel der Steuerungstangen zeigt ein harmonisches Miteinander.

 

Bald ist der Zielbahnhof erreicht, rechtzeitig schließt der Lokführer mit dem Reglerhebel die Dampfzufuhr zu den Zylindern. Zur rechten Zeit wird mit dem Bremsventil die Geschwindigkeit des Zuges verringert, der dann genau an der vorgesehenen Stelle zum Halten kommt..

 

Unsere Fahrt ist nun beendet und die Lokomotive wird zum restaurieren in das Bahnbetriebswerk gefahren, und für die Rückreise vorbereitet.

 

Hier nun den gesamten Werdegang der Deutschen Lokomotivgeschichte einzustellen würde den Rahmen sprengen. Behalten wir die Dampflok in guter Erinnerung und nutzen die Möglichkeiten um bei Sonderfahrten ein kleines Stück Zeitreise zu erleben.

 

Mit einem großen Sprung in das Zeitalter der Hochgeschwindigkeit mit Fahrten durch die Landschaft, Brücken und Tunnels genau wie damals vergeht heute die Zeit wie im Fluge. Heute reicht ein kleiner Schub am Fahrregler und der Zug setzt sich in Bewegung.

 

 

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Bei der Fahrt eines ICE ist heute nur noch ein Rauschen beim Vorbeifahren zu hören.

 

 

Das Bild des Lokführers hat sich heute stark geändert, die Landesgrenzen stellen keine unüberwindbaren technischen und betrieblichen Grenzen mehr dar. Die heutige Zeit ist geprägt durch den technischen Fortschritt, in dem eines Tages auch der ICE der Vergangenheit angehören wird, weil andere, bessere Systeme der Beförderung ihre Vormachtstellung erobern werden.

 

Aber egal, es gibt keine Ausnahmen ob Reisezüge oder auch Güterzüge, alle Züge haben ihre Bestimmung die erfüllt werden müssen.

  

Damals z.B. in Ottbergen und auch anderswo gab es die BR44 die „Jumbos“ genannt wurden, welche Schwerstlasten im Bergland zu befördern hatten, im Norden gab es die Reisezüge bespannt mit der BR 011 (Kohlefeuerung) und die BR 012 (Ölfeuerung), überall in den Ländern die die technische Revolution erlebten, erinnern sich die ehemaligen Lokführer und Heizer an die vergangene

Zeit die da  hieß: „Damals war´ s…“.

 

 

 

Dieser Beitrag

 

„Traumberuf Lokführer“

  

soll den Lesern zeigen wie dieser Beruf auf einer Dampflok aussah und was heute daraus geworden ist.

 

Für viele Menschen war es ein Traum, andere taten sich damit schwer und sind nicht lange Zeit  geblieben.

 

Doch Träume sind nicht immer Schäume, sie kann man für sich verwirklichen.

 

 

 

Verfasser ist dem Webmaster bekannt