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Zufällig fand ich im Internet den Beitrag zur Lage der Eisenbahn bei Eisenhüttenstadt. Dabei vermisste ich Angaben zum Gleisanschluss Erzlager. Im Frühjahr l951 fand ich dort ein mit Stacheldraht umsäumtes und mit Lampen versehenes Areal vor. Tag und Nacht bewacht von Soldaten in blauen Uniformen. Das umzäunte Gelände galt zahlreichen deutschen Gefangenen, überwiegend Landwirte, die sich der anlaufenden Kollektivierung ihrer Gehöfte widersetzt hatten.

Von offenen oder geschlossenen Güterwagen wurde Erz aus Kriwoi Rog, Friedrichtroda oder Schmalkalden, entladen, und zwar von Hand direkt neben das Gleis. Die Erzstücke waren so schwer, dass diese nicht mit einer Schaufel zu bewegen waren. Jeder der dort stehenden Waggons, offene oder geschlossene, konnten etwa 22 - 25 Tonnen Last tragen

Im März 1951 (bis Juli 1952) wurde ich als ausgebildeter Motorenschlosser nach Vogelsang berufen, um einen auf der Leipziger Messe 1947/48 ausgestellten, neu eingetroffenen Kran im Schichtdienst zu übernehmen. Es handelte sich um einen mit Kettenantrieb und zwei Dieselmotoren ausgestatteten Kran für 7 Tonnen Hub. Die Motoren erzeugten über einen Generator Strom, mit dem die sonstigen Bedienungen, wie vier Meter Ausleger, Greifer, Umdrehungen usw. verrichtet wurden; meiner Erinnerung nach hergestellt in VVB-Schmalkalden. Der graue Anstrich erfolgte während der Überführung, sodass ich noch Farbe an die Händen bekam. Die Aufgabe bestand darin, das entladene Erz, es lag neben dem Gleis, auf einem hinteren Platz aufzuhäufen. Da dies mit dem gelieferten Greifer nicht möglich war, wurden zur Beschwerung Teile von Eisenbahnschienen als Greifarme angeschweißt. Damit konnten die Erzbrocken etwas besser erfasst und herumgeschwenkt werden. Wir arbeiteten in drei Schichten rund um die Uhr. Bei Schichtwechsel von Abend auf den Frühdienst schlief ich hinter den Motoren, da mein Wohnort Frankfurt/Oder damals verkehrsmäßig schlecht zu erreichen war. Das Motorengeräusch wie das Klappern der Relais waren laut, aber störten bei der Müdigkeit kaum.

Zwangsläufig kam man mit den Gefangenen, großenteils gestandene Bauern, ins Gespräch, was strikt verboten war, da der Arbeitsablauf oft ins Stocken kam, sei es dass man zum Entladen eines offenen Waggons sich einweisen ließ, sei es, dass von Hand aus geschlossenen Wagen Erzstücke in den Greifer geworfen wurden. Die Züge bestanden aus etwa 10 Güterwagen, die dann entsprechend zum Entladen bewegt wurden. Im Büro, eine Holzbaracke auf dem Gelände, erfuhr ich, dass eine Leihzeit von 100 Mark pro Wagen aus Deutschland, 200 Mark für Russische je Stunde anfiel. Es waren überwiegend Güterwagen mit Standortangabe Oppeln. Aber auch russische waren darunter. Manche Güterzüge standen tagelang leer auf den Gleisen.

Da ich den Brief eines Gefangenen zur Weiterleitung entgegengenommen hatte, wurde ich nach Verwarnung versetzt. Ging dann nach Eisenach zu BMW.

 

Traugott Steffani